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“Der Endgegner ist besiegt!” oder “Ich nähe mir einen Parka”

Praka Eisblume Wunderfein

Solange ich nähe – mhh, nun schon knapp 2 Jahre glaub ich, so lange träume ich schon von einer eigenen Jacke. Was mich bisher davon abgehalten hat? Na so einiges:

  • der Materialdschungel, wo man nie weiß, was man nun genau nehmen soll
  • die Komplexität des Wunsches an sich und mit tausend Ausrufezeichen:
  • REIßVERSCHLÜSSE!!!

Kurz gesagt, bisher hielt mich alles davon ab – und heute frage ich mich, warum eigentlich? Denn der “ENDGEGNER” hat einen Namen: EISBLUME und ist mittlerweile besiegt und hängt ehrfürchtig (leider ohne Haken, weil vergessen) an meiner Garderobe.

Praka Eisblume Wunderfein

Aber ich fange einfach mal von vorne an. Bisher hatte ich schon hier und da auf einigen Seiten und Blogs denen ich folge, Jacken und Parkas gesehen. Immer mit dem “Haben-Wollen-Wunsch”, doch bisher ohne Umsetzung. Dann, im Probenähen vom Herbstgold der wilden Matrossel, zeigt uns die liebe Gruppenmuddi schon mal ein Mäntelchen. “Wow” dachte ich damals “der fetzt!”. Sie schrieb dann, dass es wohl noch etwas dauert. Es verging die Zeit und ich hatte es schon wieder vergessen, als dann in der Probenähgruppe der Hinweis des neuen Aufrufs aufploppte. Da wollte ich dabei sein. Denn zum einen, es war ein herrliches Probenähen für Herbstgold mit vielen netten Mädels und einem Schnitt, der wirklich wirklich super passt und zum anderen natürlich mein lang ersehnter Wunsch. Kurz mal in den Kalender geschaut… joaaaa… Zeit habe ich mit einem fast 7 Monate alten Baby, einer fast 5-Jährigen und einem nicht anwesenden Mann sowieso keine – also kann ich mich auch bewerben. Nur krank werden dürfen sie nicht…. Ich hatte kaum auf den “senden”-Button gedrückt, da kam auch schon die Meldung “Sie wurden zur geheimen Gruppe Eisblume Probenähen hinzu gefügt” . Ein Freudenschrei, dann die nackte Angst – ach du Kacke – jetzt muss ich das ja wirklich machen…

Und dann begann die Odyssee. Welcher Stoff, welches Futter, wie schütze ich mich vor Kälte???So viele Fragen und ich hatte keine Antwort. Denn zwar hatte ich eine Idee, wie genau MEINE Eisblume auszusehen hat. Aber was für Stoffe dafür geeignet waren, dass wußte ich selbst noch nicht genau. Also Tante Google befragt. Und auch da gab es kaum eine Antwort. Dann habe ich nach Blogs gesucht, die selbst Parkas etc. genäht haben und wo ich vielleicht eine Stoffempfehlung finde. Und siehe da, ich wurde fündig. Bei Bunte Knete von Fräulein Peng. Sie selbst hatte vor kurzem ihren Parka genäht und als “Füllung” sogenannte Thermoisolierung benutzt. Gefunden habe ich diese Isolierung in zwei Varianten bei Stoff & Stil. Dabei gibt es unterschiedliche Isolierungsgrade. Für meine Eisblume habe ich die Theromisloierung 89G bestellt. Diese sichert laut Hersteller bis Minus 8 Grad Celsius ab. Und ich muss sagen, ich hatte den Parka in den letzten Wochen des öfteren an und wirklich nicht gefroren. Das Interessante dabei ist die Dicke dieser Schicht. Denn entgegen anderer Futterarten für Steppwesten etc. ist diese Schicht nur ein bis zwei Millimeter dick. Somit wirkt der Parka auch nicht plüschig oder bauschig, sondern wie ein leichter Frühlingsmantel .

Für den Außenmantel hatte ich eine Art Baumwolle im Kopf. Es wäre natürlich auch Softshell, Walk etc. möglich gewesen. Damit es aber etwas robuster ist (und auch bezahlbar), habe ich mich schlussendlich für dunkelblauen Baumwollkörper entschieden.  Für Innen suchte ich nach Popeline. So lass ich es bei einigen Blogs. Im Nachhinein würde ich davon aber abraten, zumindest dann, wenn man auch mal einen kuscheligen Wollpulli drunter tragen möchte. Denn dann ist die Reibung dieser zwei Schichten einfach unmöglich und man müht sich etwas, um in den Parka herein und wieder heraus zu kommen. Da wäre es günstiger, zumindest an den Armen speziellen Futterstoff zu verwenden. Aber wie gesagt, bei mir ist es Popeline geworden. Und zwar eine gaaanz besondere 😀 Denn ich hatte bei Evlis Needle DEN Stoff gesehen – mit Nadeln … passend also für mich als Nähbiene 🙂 Leider liegt dieser nicht auf 1,40 Meter Breite – und damit kam ich dann auch ziemlich in die Bredouille, denn ich hatte zu wenig Stoff. Also noch einmal nachbestellt.

Aber selbst das war letztendlich schneller da, als meine Bestellung von der Thermoisolierung und Reißverschluss bei Stoff & Stil. Das hat mich ziemlich nach hinten im Zeitplan geworfen und ich kam ganz schön ins Schwitzen. Knapp eine ganze Woche musste ich warten. Aber ich glaube, ich bin einfach durch Alles für Selbermacher, Evlis und Co. sehr verwöhnt, was die Lieferzeiten angeht.

Als ich dann endlich alles beisammen hatte, Stoff, Reißverschluss, Knebelknöpfe, Kordel, der Stoff seine Runden in der Waschmaschine gedreht hatte, das Schnittmuster diesmal als Test in A0 im Copyshop gedruckt war und ich es auch ausgeschnitten hatte – konnte ich mich endlich an meine Eisblume machen. Das Zuschneiden dauerte eine ganze Weile – dabei natürlich gaaanz wichtig: Innen muss spiegelverkeht zugeschnitten werden (Steht aber auch super erklärt im ebook). Das gilt für Futter und Isolierungsschicht. Dabei hab ich glaube ich gefühlte 100 Mal alles überprüft. Das Ebook wieder und wieder gelesen, mir Notizen gemacht, was wann wie besonders wichtig ist und auch notiert, bei welchem Schritt ich zu den Tutorials mit verdecktem Reißverschluss etc. wechseln muss. Denn auch das ist wunderbar beschrieben. Ich hatte sooo Bammel, irgendwas zu verkacken und vom Stoff zu verschneiden… denn der reichte nämlich gerade so. Bisher habe ich auch immer gleich drauf los genäht. “Wird schon passen” war mein Motto. Bei der Eisblume war auch das diesmal anders. Die Leistentaschen waren dabei der Härtefall. Ich habe diese immer und immer wieder mit Stoffresten geübt und war wirklich wirklich kurz davor alles hinzuschmeißen. Dank der lieben Mädels im Team, einer süßen Videoanleitung von Anja und einem Telefonat mit meiner Besten habe ich es dann letztendlich hin bekommen. Und wenn man den Dreh einmal raus hat, dann ist es wirklich gar nicht so schwer. Klar, perfekte Ecken sehen anders aus, aber ich war mega stolz auf meine :D. Als besonderes Highlight hatte ich dann noch die Lederpaspel, welche ich vor einigen Wochen direkt bei meiner lieben Nici im Lädchen vom Sonntagshasen in Poing ergattert hatte, verarbeitet. Sowohl an den Leistentaschen als auch für die Kapuze war sie ideal.

Ein besonderer Moment war dann noch der Reißverschluss. Klar, ich hätte natürlich die Standardversion nur mit Knopfleiste nähen können. Ich wollte aber den perfekten Parka, also musste da auch ein Reißverschluss dran. Und auch da geht wieder ein DANKESCHÖN an das tolle Ebook – denn hier war alles super beschrieben. Inklusive von Markierungen, um den Reißverschluss auch passgenau auf beiden Seiten einzunähen. Und es hat damit auch wirklich wunderbar funktioniert.
Warum hatte ich gleich noch mal so große Angst???

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Dann ging es ans zusammen nähen. Mit einer krähenden Babymotzgurke neben mir, ja da fiel das Denken schwer. Und plötzlich war ich mir absolut sicher, den Oberoberoberfehler gemacht zu haben… die Knopfleiste auf der falschen Seite. Aber, einmal tief durchatmen, Oma kurz mit Baby spazieren schicken und schwups – doch alles gut. Bei der Frage der Knebelköpfe kam ich dann zum Schluss noch einmal ganz schön ins Schleudern. Denn, ich hatte mir zwar schöne Holzknöpfe bestellt, diese waren aber ohne Patches gekommen. Leder hatte ich keins im Haus und es war ein Tag vor Abgabe der Fotos. Da viel mir die halbe Tonne SnapPap ein, die ich mal in einem Anfall von “Ohhh brauch ich, da mach ich was gaaaanz feines drauß” geordert hatte und die seither auf ihren großen Moment wartete. Aber einfach nur Vierecke? Ja, die gingen sicher für die Ösen der Fakekordeln an der Kapuze.

Praka Eisblume Wunderfein

Für die Knebelköpfe aber sollte es schon “Eisblumentauglich” sein. Daher, habe ich mir eine kleine Schablone in Blattform gebastelt, mithilfe dieser mehrere Blätter aus SnapPap geschnitten und mit der Nähmaschine die “Blattadern” aufgenäht und somit auch gleich alles befestigt.

Ich liebe meine Eisblume und mit jedem Tragen fühle ich mich wie Superwoman, denn ich habe meinen Endgegner besiegt. Es kommt schon der Besteigung eines Berges gleich 😀 Zumindest eines Nähberges.

 

Zum Schluss noch ein paar Dankesworte! Die müssen ja bei so einer enormen Herausforderung noch sein 😉 Ich danke diesem wunderbar kreativen, lustigen, motivierenden Hühnerhaufen aus dem Probenähen. Mädels, ihr seid absolut klasse, einzigartig und wunderbar. Genaus geht ein Dankeschön an Anja. Danke, dass du mich wieder mit in Boot geholt hast, dass du deine Zeit für uns opferst und bei jedem kleinen Wehwehchen immer zur Stelle warst! Und danke natürlich auch an meine Familie, die mich in solchen Phasen auch mal das tun lassen, was ich liebe und mir dafür den Freiraum einräumen. Ich hab euch lieb <3

So, genug geschmust! Jetzt gibt es für euch noch alle Links (Werbung):

Und als Premiere geht dieser Beitrag zu RUMS ! Mensch, ich bin uffjerescht.

PS: Wenn ihr das lest, dann habe ich es geschafft, bis 0 Uhr wach zu bleiben oder zumindest dann kurz wieder wach zu sein, bevor ich wieder ins Mütterkoma falle 😀

Ich danke euch für die Aufmerksamkeit,
eure Christin

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